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    24h-Rennen Le Mans 2012: Audi mit Leichtbau zum Sieg ?

    Von Sascha Kröschel | 10.Mai 2012

    Noch fĂŒnf Wochen, dann steht fĂŒr das Team Joest das wichtigste Rennen des Jahres auf dem Programm: die 24 Stunden von Le Mans am 16./17. Juni 2012. Neben e-tron und quattro liegt dort erneut die ultra-Leichtbau-Technologie im Fokus des Unternehmens.

    Im Motorsport ist Gewicht ein zentrales Thema. Ein Blick ins Technische Reglement fĂŒr LMP1-Prototypen zeigt allerdings, dass deren Minimalgewicht auf 900 Kilogramm festgelegt ist. Ein Wert, den bereits der Audi R18 TDI im Vorjahr unterbot. So entstand Spielraum fĂŒr Ballastgewicht, mit dessen Hilfe die Balance des Autos verbessert werden kann.

    Weshalb also ultra-Leichtbau im Motorsport, wenn der gewonnene Vorteil wieder mit Ballast kompensiert werden muss? Der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis liegt im Hybrid-Konzept. Audi hat den ersten Diesel-Hybridsportwagen der Geschichte konstruiert. Die Komponenten des Hybridsystems haben trotz modernster Bauweise ein nicht zu vernachlĂ€ssigendes Eigengewicht. Ohne besondere Leichtbau-Maßnahmen lĂ€ge das Gewicht des Audi R18 e-tron quattro also ĂŒber 900 Kilogramm – der Sportprototyp wĂ€re chancenlos. Als Basis dafĂŒr hat Audi den R18 ultra mit konventionellem TDI-Antrieb entwickelt, denn beide Autos sind bis auf das Hybridsystem weitestgehend baugleich.

    Wie aber treibt man das schon im Vorjahr verwirklichte ultra-Leichtbau-Konzept fĂŒr die Saison 2012 auf die Spitze? Wohlgemerkt: Die Rennwagen mĂŒssen am 16. und 17. Juni 2012 bei den 24 Stunden von Le Mans mehrere Tausend Kilometer Distanz mit einem erwarteten Schnitt weit jenseits von 200 km/h problemlos abspulen. „Die einzige Chance, etwa zehn Prozent leichter zu werden, besteht darin, jedes Teil leichter zu konstruieren“, verrĂ€t Dr. Ullrich. NatĂŒrlich variiert der Unterschied sehr deutlich. So ist das Kohlefaser-Gaspedal der neuen R18-Generation nochmals optimiert worden – die Einsparung bewegt sich im Grammbereich. Besonders stolz hingegen dĂŒrfen die Entwickler auf das Getriebe sein.

    „Im Hinterwagen ist die Gewichtseinsparung ausgesprochen wertvoll“, ergĂ€nzt Dr. Ullrich. „Wir vertrauen auf einen V6-TDI-Motor, der vor der Hinterachse angeordnet ist. Dieselaggregate sind aber bauartbedingt schwerer als Ottomotoren. Mit dem daran angeflanschten neuen Kohlefaser-GetriebegehĂ€use ist uns der grĂ¶ĂŸte einzelne Innovationsschritt gegenĂŒber dem VorgĂ€ngermodell gelungen.“ So etwas gab es in einem LMP-Sportwagen noch nie. Die Besonderheit gegenĂŒber einem Formel-Rennwagen, in dem diese Technologie bereits existiert: Das volltragende Getriebe muss eine mit 900 Kilogramm viel höhere Grundlast tragen. Auch ĂŒbersteht es Langstrecken-Distanzen von mehreren Tausend Kilometern am StĂŒck. Und mit mehr als 850 Newtonmetern wirkt im R18 ein Motor-Drehmoment auf die KraftĂŒbertragung ein, das den entsprechenden Wert eines Formel-1-Autos deutlich ĂŒberschreitet.

    Das hochintegrativ gebaute Hybridsystem des R18 e-tron quattro ist ein weiteres Beispiel fĂŒr Leichtbau. Das gemeinsame GehĂ€use der MGU (Motor-Generator-Einheit) fĂŒr zwei Elektromotoren, zwei Planetengetriebe und zwei Umrichter an der Vorderachse ist Ă€ußerst kompakt, die in das vorhandene MotorsteuergerĂ€t integrierte Hybrid-Systemsteuerung eine weitere clevere Lösung, die das Gewicht des Autos verringert.

    „Auf der Suche nach Gewichtseinsparung sind Kompromisse bei der Sicherheit hingegen absolut tabu“, fĂŒhrt Dr. Ullrich aus. Das hochfeste Kohlefaser-Monocoque des Audi R18 TDI half Allan McNish und Mike Rockenfeller im Vorjahr, zwei schwere UnfĂ€lle in Le Mans heil zu ĂŒberstehen. Eher ĂŒberprĂŒfen die Techniker selbst kleinste Details auf Leichtbau. Besonders fein berechnete und gefrĂ€ste Metallteile – etwa bei der HeckflĂŒgelaufhĂ€ngung, der StabilisatorabstĂŒtzung oder den Querlenkern -gelten in der Fachwelt als wahre Meisterwerke des Maschinenbaus. Aufmerksame Rennzuschauer können auch selbst einen Blick auf ein StĂŒck Leichtbau werfen: Vier rote Dreiecke markieren ein Feld unterhalb der CockpittĂŒren. „Nur dort sollen unsere Fahrer sich beim Ein- und Aussteigen abstĂŒtzen“, erklĂ€rt Dr. Ullrich. Abseits dieser FlĂ€chen wĂŒrde selbst der „Wunder-Werkstoff“ Kohlefaser nachgeben.

    Bilder vom Testtag fĂŒr das 24h-Rennen von Le Mans finden Sie hier !

    Topics: Le Mans |