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    24h-Rennen Le Mans: Audi hat starke Charaktere vereint

    Von Sascha Kröschel | 30.Mai 2013

    ILMC Audi R18 6h-Rennen SILVERSTONE 2011Noch drei Wochen bis zum 90. Geburtstag der 24 Stunden von Le Mans. Seit dem Jahr 2000 feiert Audi beim bedeutendsten Langstrecken-Rennen der Welt große Erfolge. Doch keiner der elf Siege wäre ohne eine überzeugende Fahrermannschaft möglich gewesen. Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich erläutert seine Personalstrategie.

    „Uns ist wichtig, Rennfahrer in der Mannschaft zu haben, die auch von ihrer Persönlichkeit gut zur Marke Audi passen“, betont Dr. Ullrich, der seit November 1993 an der Spitze von Audi Sport steht. Der erste Fahrer, den der Ă–sterreicher verpflichtete, war Emanuele Pirro. Er blieb 15 Jahre lang unter Vertrag und ist heute Markenbotschafter des Unternehmens. Sein Landsmann Dindo Capello, der inzwischen an drei Audi-Zentren in Italien beteiligt ist, war sogar 19 Jahre Audi-Werksfahrer, Frank Biela 18 Jahre. Das sind alles ungewöhnlich lange und erfolgreiche Spitzenkarrieren – noch dazu im Dienst ein und derselben Marke. Alle drei haben mit Audi auch die 24 Stunden von Le Mans gewonnen, Frank Biela und Emanuele Pirro sogar fĂĽnfmal gemeinsam.

    Auch die herausragenden Erfolge von Tom Kristensen, mit acht Triumphen der Rekordhalter in Le Mans, werden immer mit der Marke Audi verbunden sein. Allan McNish hat das Rennen an der Sarthe am Steuer von Audi-Sportwagen ebenso geprägt wie Marco Werner. Und die nächste Fahrergeneration setzt alles daran, ähnlich erfolgreich zu werden: Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer (CH/D/F) sind seit 2011 an der Sarthe ungeschlagen und die aktuellen FIA-Langstrecken-Weltmeister.

    „Es ist uns stets gelungen, dass sich unsere Fahrer als ‚Audianer’ fĂĽhlen“, so Dr. Ullrich. „Dabei unterstĂĽtzt uns die Marke mit den Vier Ringen. Audi hat immer deutlich signalisiert, wie wichtig die Erfolge im Motorsport sind und dass die Rennfahrer gerne als Botschafter gesehen werden. Unsere Fahrer sind stolz, fĂĽr die so erfolgreiche Marke Audi an den Start gehen zu können.“

    So groĂź die Herausforderung Le Mans schon immer war, so sehr hat sich doch das Anforderungsprofil geändert. „Das Talent muss sehr ausgeprägt sein, wobei es nicht mehr nur darum geht, dass man eine längere Zeit im Auto sitzt und konstante Rundenzeiten fährt“, so der Motorsportchef. „Heute sind Rennfahrer gefragt, die es schaffen, im Team einen echten 24-Stunden-Sprint fehlerfrei zu absolvieren. Wir haben deshalb stets Charaktere verpflichtet, die durch ihre Leistungsfähigkeit und Risikoeinschätzung aufgefallen sind und somit auch selten Unfälle hatten.“

    Neben diesen klassischen Eigenschaften geht es Dr. Ullrich noch um viel mehr: „Unsere Fahrer mĂĽssen teamfähig sein und sich mit der Marke identifizieren. Dann bilden sie mit dem Teamchef und dem Sportchef eine Einheit. Alle verfolgen gemeinsame ihre Ziele und alle unterstĂĽtzen sich untereinander, gerade auch in schwierigen Momenten. Die Piloten mĂĽssen bereit sein, ihre Einzelinteressen zurĂĽckzustellen.“

    Immer wieder mussten Fahrerpaarungen fĂĽr Le Mans neu kombiniert werden. Dindo Capello, Tom Kristensen und Allan McNish fuhren seit 2006 sieben Jahre gemeinsam – wohl kein anderes Langstrecken-Profi-Team kann das fĂĽr sich beanspruchen. „Entsprechend groĂź war die Aufgabe, fĂĽr Capello nach dessen Karriereende einen Nachfolger zu finden“, sagt Dr. Ullrich. „Er sollte auf sehr hohem Niveau fahren und charakterlich zu beiden passen. Mit LoĂŻc Duval haben wir eine tolle Lösung gefunden.“ Auch ein drittes Team wurde neu gebildet: Marc GenĂ© (E) tritt mit Lucas di Grassi (BR) und Oliver Jarvis (GB) an. „Wie gut ein Fahrerteam funktioniert, weiĂź man erst, wenn es miteinander gefahren ist. Dazu reicht meist nicht nur ein Rennen.“

    Regelmäßig erteilt der Motorsportchef seinen Fahrern die Freigabe, auch an anderen Veranstaltungen teilzunehmen – so hat Mike Rockenfeller 2010 die 24 Stunden von Daytona in einem Daytona-Prototyp gewonnen. „Ich bin davon ĂĽberzeugt, dass es einem Rennfahrer gut tut, wenn ihm ein solcher Wunsch erfĂĽllt wird“, ist sich der Audi-Manager sicher. „Er kann an seinem fahrerischen Spektrum arbeiten, er erhält neue Impulse, wie andere Teams vorgehen. Und es hat stets motivierend gewirkt und sich damit am Ende auch fĂĽr Audi ausgezahlt.“

    Aktuell feiern Marcel Fässler, AndrĂ© Lotterer und BenoĂ®t TrĂ©luyer besonders schöne Erfolge – von zwei Le-Mans-Siegen in Folge bis zum FIA-WEC-Weltmeistertitel 2012. Keiner der drei Fahrer hatte vor der Verpflichtung durch Audi im Jahr 2010 in Le Mans jemals auf dem Podium gestanden. „Das ist eine Kombination von drei auĂźerordentlichen Talenten“, lobt der Motorsportchef. „Hier hat sich eine Mannschaft geformt, die absolutes Vertrauen zueinander hat. Und jeder ist auf einem tollen Performance-Niveau. Damit haben wir drei absolute Sportwagen-Stars gemeinsam in einem Auto. Und sie sind persönlich so zusammengewachsen, dass sie extrem vereint und damit auĂźergewöhnlich stark sind.“

    Marcel Fässler, AndrĂ© Lotterer und BenoĂ®t TrĂ©luyer sind nicht das erste Erfolgstrio von Audi – und ganz sicher nicht das letzte.

    Topics: 24h-Rennen, Le Mans |